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Chronik der Firma "Eisenfachhaus DUWE"

Auszüge aus der Chronik der Firma "Fachhaus Eisen-Duwe"
Erstellt durch einen Sohn des Gründers Paul Duwe

16.01.1914

An diesem Tag heiratet mein Vater die Tochter von Richard Koch, Kolonialwarenhandel Demmin, Treptower Straße 9.

1914-1918

Einsatz als Frontsoldat.

Während der Kriegszeit führte meine Mutter das Geschäft so gut es ging weiter. Wenn man bedenkt, dass in dieser Zeit mein Bruder Heinz am 15.10.1915 und ich am 14.07.1918 geboren wurde und die Wohnung im dritten Stock lag, so muss man die Leistung meiner Mutter, speziell während dieser Zeit, besonders würdigen.

Das Geld war knapp, die Lieferungen kamen zum Teil per Nachnahme. Als Beispiel erzählte und unsere Mutter folgendes: Eine Kundin fragte nach einem Spirituskocher. Zwei Nachnahmesendungen mit verschiedenen Kochern lagen auf der Post, meine Mutter hatte aber nur Geld genug, ein Paket auszulösen. Der Zufall wollte es, dass das eingelöste Paket den gewünschten Kocher für die Kundin enthielt. Vom erhaltenen Geld der Kundin konnte dann später das zweite Paket eingelöst werden.

1920

Mein Vater kam aus englischer Kriegsgefangenschaft zurück. Der Kundenkreis wurde nun systematisch von Jahr zu Jahr erweitert. Zuerst mit dem Fahrrad, später mit dem Auto. Die Inflation musste überstanden werden. Zusätzlicher Verkaufsraum wurde am Gesellius-Platz, Treptower Str. 98, angemietet. Am

16.07.1927

wurden die Grundstücke Treptower Straße 21-22 angekauft, denn Lagerraum und Verkaufsfläche reichten nicht mehr aus.
Zunächst wurde ein Lagerhaus errichtet und etwas später der erste Bauabschnitt des geplanten Doppelhauses begonnen.

1932

Großer Umzug: Geschäft und Wohnung wurden nun zur Treptower Straße verlagert. Somit waren nun die verschiedenen Lager- und Verkaufsräume einschließlich Wohnung in der Treptower Straße vereint.
Zusätzlich wurde eine Lagerfläche im Hafengebiet „Mühlengraben“ bei der Spedition „Mittag“ angemietet um die Schiffsladungen I-Träger, die eine Länge von bis zu 15m hatten, dort zu lagern und, bei Bedarf, mit unserem Spezial-LKW weiter zu befördern.
Dank der Tüchtigkeit meines Vaters, der als Mitglied des E.D.E. (Einkaufsverband Deutscher Eisenhändler) die Preise so günstig kalkulieren konnte, dass er stets wettbewerbsfähig war, zählte er bald Bauern, umliegende Güter, Handwerksbetriebe wie Schmiede, Tischler, Stellmacher, Bauunternehmer usw. aus bis zu 50km Umkreis zu seinem Kundenkreis – die alle mit dem eigenen Lastkraftwagen beliefert wurden.

Auch für die Nachfolge wurde vorgesorgt: Mein Bruder Heinz macht die kaufmännische Lehre mit Fachrichtung „Haushaltswaren – Geschenkartikel“, während ich mich speziell auf Eisenwaren, Stabstahl und Baubedarf konzentrierte.
Nach der Lehrzeit kam für jeden von uns noch der „Arbeitsdienst-Einsatz“ und wie sagt man… „und dann kam der Krieg“. Wir wurden beide eingezogen.

01.05.1945

Als Folge der Brandschatzung unserer Heimatstadt wurde mein Vater an diesem Tag als Zivilist in seinem Laden von einem Russen erschossen.

Nachdem sich die Lage in Demmin etwas beruhigt hatte, übernahm meine Mutter und – nach Heimkehr meines Bruders Heinz Duwe auch er das Geschäft als Erbengemeinschaft, in der ich ab

19.06.1948

nach Rückkehr aus russischer Gefangenschaft tätig war. Firmenbezeichnung: EISEN DUWE.

01.10.1949

Ich schied aus dem Geschäft EISEN DUWE aus, (behielt jedoch meinen Erbanteil am Grundstück) um in Ducherow, Kreis Anklam, das Geschäft meiner zukünftigen Schwiegermutter zu übernehmen.

01.-09.1958

Übergabe an die H.O.. Da das gesamte Stammpersonal mit übernommen wurde und Herr Günter Bobzin auch als neuer Geschäftsführer eingesetzt wurde (gelernt bei meinem Bruder), blieb der Name „Eisen Duwe“ auch weiterhin im Volksmund.

Wer kannte sie nicht, die „Seelen“ des Geschäfts? Alma Kuhr, geb. Blietz, über 60 Jahre im Geschäft tätig, hatte noch unter meinem Vater die kaufmännische Ausbildung gemacht. Lotte Österreich, geb. Scheel, Rudolf Haake und nicht zuletzt Herr Erich Frank, damals als Geschäftsführer tätig, der, zum Zeitpunkt der Übergabe, meiner Mutter – und somit der ganzen Familie Duwe, sehr geholfen hat.

An dieser Stelle sei Allen gedankt, die treu zum Hause Duwe gestanden haben.

Ab 01.10.1990

gibt es wieder ein EISEN-FACHGESCHÄFT DUWE – unter altbewährter Leitung, denn wie schon erwähnt, ...im Hause gelernt...

Ich wünsche der Familie Bobzin viel Erfolg!

Werner Duwe

Bilder aus der Vergangenheit von "Eisenfachhaus DUWE"

Anklamer Str. 26, hier eröffnete mein Vater das Geschäft. (Aufnahme ca. 1935/Adolf Hitler Str.: Haus von H. Zeuss Drogerie)

Diese beiden Grundstücke wurden 1927 in der Treptowerstr. 21/22 angekauft, um darauf das Lagerhaus und den Geschäftsbau zu errichten.

Auf Kundenbesuch mit dem Fahrrad.

Später mit dem Auto (Marke „Sperber“) und Fahrer.

Teilansichten vom Lagerhaus. Erd- und Obergeschoss (1957/58).

Warenlager: Untergeschoss Geschäftshaus, 1957/58, Teilansicht.

Teilansicht des Ladenbereichs (1957/58).

Alte Rechnung um 1944